Der Sommer geht zu Ende, was kommt als Nächstes?
- weddingstacy
- vor 3 Tagen
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Wir werden immer besser darin, nicht zu wissen, was als Nächstes kommt.
Das ist witzig, denn früher war ich sehr gut darin, alles zu planen. Es gab feste Termine. Orte, an denen wir sein mussten. Verabredungen, Schule, Arbeit, Wochenenden, Wochentage. Selbst wenn wir keine Pläne hatten, wusste ich meistens ziemlich genau, was als Nächstes anstand. So musste es sein (mit Arbeit, Schule, Hobbys usw.), und einerseits liebte ich das.
Ich bin ein Planungsmensch. Genauer gesagt, eine Projektplanerin. Gebt mir etwas zu organisieren und eine Zukunftsvision, und ich bin überglücklich. Gebt mir einen Kalender und bunte Stifte, und ich bin im siebten Himmel … Ich brainstorme, verknüpfe die Punkte in meinem Kopf und plane alles bis ins kleinste Detail, inklusive aller möglichen Szenarien. Ich habe aber auch gelernt, dass diese besondere Stärke manchmal eine weniger glamouröse Seite hat.

Manchmal plane ich, weil Planung nützlich und produktiv ist. Und manchmal plane ich, weil sie mir eine Ablenkung bietet, anstatt mich auf das zu konzentrieren, was gerade passiert. Ich kann mich in eine Zukunftsvision hineinversetzen, anstatt in der Gegenwart zu leben. So vermeide ich vielleicht Unbehagen oder Langeweile. Meine Arbeit an meiner Resilienz und das bessere Kennenlernen meiner selbst und meiner Persönlichkeit haben mir geholfen, diesen Unterschied zu erkennen.
Dann begannen wir zu reisen. Und wow, das war echt eine Herausforderung! Anfangs wollten wir jeweils etwa einen Monat an einem Ort bleiben. Das klingt schön und spontan, bis man merkt, dass ich manchmal mit meiner Familie an einem wunderschönen Ort saß und schon wieder recherchierte und Leute wegen des nächsten Reiseziels kontaktierte. Nacht für Nacht. Nachrichten lesen und schreiben, auf Webseiten nach passenden Profilen suchen.

Ich war zwar körperlich anwesend, an unserem aktuellen Wohnort (der, wenn ich so darüber nachdenke, wirklich fantastisch war), aber gedanklich war ich schon woanders. Ich plante, wie unser zukünftiger Wohnort genauso toll werden könnte. Und das Lustige daran ist, dass es mit dem nächsten Wohnort sowieso nicht immer geklappt hat. Dinge liefen schief. Pläne änderten sich. Und es ergaben sich Gelegenheiten, mit denen wir nie gerechnet hätten.
Und irgendwie hat sich am Ende immer alles wunderbar entwickelt.
Wir konnten es einfach nicht immer vorhersehen. Nun ja, ich konnte es nicht vorhersehen. Mein Mann kann solche Dinge viel besser loslassen und ihnen vertrauen als ich. In den letzten dreieinhalb Jahren haben wir unsere Art zu reisen mehrmals verändert. Wir sind von häufigen Umzügen zu längeren Aufenthalten übergegangen und verbringen nun viel lieber mindestens eine ganze Saison an einem Ort. Wann immer es geht, verbinden wir unsere Reisen auch mit Besuchen bei alten Freunden und Verwandten in der Heimat, um diese Bindungen zu stärken.
Gleichzeitig schwebte die ganze Zeit diese riesige Frage über uns: Was, wenn die Green Card doch noch kommt?
Dreieinhalb Jahre lang wussten wir, dass wir jederzeit alles ändern, unsere Sachen packen und mit unserer Familie über den Ozean ziehen müssten, um näher bei meiner Familie in Amerika zu sein. Deshalb gab es auch nicht wirklich viel Raum dafür, so zu tun, als wüssten wir, wie das nächste Jahr aussehen wird.
Und ich glaube, das ist eines der größten Geschenke meines Lebens. Ich lerne, eine Richtung zu haben, ohne krampfhaft an dem vorgegebenen Weg festzuhalten. Eine Idee, eine Hoffnung, sogar einen Plan zu haben – aber trotzdem immer wieder den Blick vom Plan abzuwenden und wahrzunehmen, was gerade geschieht. Denn einige der schönsten Erlebnisse der letzten Zeit waren die, zu denen wir beinahe Nein gesagt hätten, gerade weil sie so kurzfristig waren.

Ich helfe bei einem Retreat hier in Norwegen mit. Plötzlich rudern wir auf einem Wikingerschiff. Wir finden uns auf einer Insel an dieser unglaublichen Küste wieder. Wir sind Teil von etwas, das wir überhaupt nicht geplant hatten. Wir hätten fast abgesagt. Und dann war es einfach wundervoll. Das passiert mir in letzter Zeit häufiger. Und irgendwie ist das auch für mich zu einer spirituellen Praxis geworden.
Nicht auf eine besonders komplizierte oder tiefgründige Weise. Einfach nur lernen, aufmerksam zu sein. Für die Natur. Für die Menschen. Für das, was sich stimmig anfühlt. Für die sich bietenden Gelegenheiten. Für die leisen, leisen Impulse, die sagen: Vielleicht das. Unsere Spiritualität war schon immer auf die eine oder andere Weise in unser Leben eingewoben – durch die Natur, Meditation, Yoga, Gebet und die Menschen, denen wir begegnen und die Gutes für ihre Gemeinschaften und die Welt um sie herum tun. Doch in letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie vielfältig Spiritualität sein kann.
Hier habe ich viel über Kunst und Gesang gelernt, über die Kraft der Stimme und sogar über die Herstellung kleiner Perlenohrringe. Vor Kurzem habe ich etwas erfahren, das mich sehr beeindruckt hat: Traditionell hatten die indigenen Völker Nordamerikas natürtlichj nicht die Glas- oder plastikperlen, die wir heute mit manchen ihrer Perlenarbeiten und Schmuckstücke verbinden. Sie verwendeten Samen, und der Akt des Gestaltens konnte eine Form des Gebets sein. Manchmal wurde jeder Samen mit einem Gebet oder einer Intention bestickt und dann in ein Schmuckstück eingewebt. Und wenn man sich einige dieser Schmuckstücke ansieht, merkt man, wie viele Gebete in diesen kleinen Kunstwerken stecken.

Ich liebe diese Idee. Dass etwas so Alltägliches – etwas mit den Händen zu erschaffen – auch ein Akt der Intention, der Dankbarkeit, der Verbundenheit oder des Gebets sein kann. Und vielleicht lerne ich das gerade in einem viel tieferen Sinne. Dass das Leben nicht immer als ein Projekt betrachtet werden muss, das es abzuschließen gilt. Ich kann ein Ziel haben. Ich kann einen Plan machen. Ich kann ungefähr wissen, wo ich hin möchte. Und trotzdem genug Raum lassen, um wahrzunehmen, dass sich vielleicht etwas anderes entwickelt. Und während ich den Plan, das Projekt oder etwas anderes erschaffe , versuche ich, präsenter zu sein und meine Gebete in den Moment zurückzubringen.
Vielleicht bleiben wir etwas länger als nur den Sommer in Norwegen. Vielleicht kommt nächste Woche die Nachricht mit der Green Card und plötzlich ändert sich alles wieder. Vielleicht bekomme ich einen tollen Online-Job, der so gut zu uns und unserem Leben passt, dass wir unsere Pläne komplett ändern. (zwinker-zwinker)
Wer weiß?
Und ehrlich gesagt, gelingt es mir immer besser, das zu sagen, es auch so zu meinen und darauf zu vertrauen.
Wir werden sehen.
Diese zwei kleinen Wörter bergen etwas ungemein Aufregendes und Friedliches in sich.





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